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  Hatzenbühl - Jockgrim - Neupotz - Rheinzabern

Gastgeber

Bei seiner Begrüßung stellte Bürgermeister Uwe Schwind fest, dass die touristische Wertschöpfung in der gesamten Region und in der Verbandsgemeinde viele Jahre unterschätzt wurde. Ein Grund dafür sei sicher, dass die Menschen ihren Lebensunterhalt in den nahegelegenen Städten wie Karlsruhe, Wörth oder Germersheim verdienten. Das Bewusstsein, dass die Region als Ausflugsziel oder für einen Urlaub interessant sein könnte, sei nicht immer vorhanden gewesen. So wurden lange Zeit Monteure als einzige Zielgruppe für die Verbandsgemeinde angesehen. Diese Zielgrupe sei sehr wichtig, betonte Schwind. Man wolle mit dieser Veranstaltung aber gerade auch den Blick dafür weiten, dass die Verbandsgemeinde ebenfalls für Ausflügler und Feriengäste einiges zu bieten habe, wie Museen, Ausstellungen, Gastronomie, Direktvermarkter, Unterkünfte, Nordic Walking Park, Rad- und Wanderwege. Schwind ist der Überzeugung, dass die Verbandsgemeinde Jockgrim auf einer soliden Basis im Verbund mit den übrigen Ortschaften der Südpfalz und den angrenzenden Nachbarn in Frankreich  aufbauen könnte. Nicht umsonst steige die Zahl der Ferienwohnungen während der letzten Jahre kontinuierlich. Schwind nutzte die Gelegenheit, ein herzliches Dankeschön zu sagen an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer in den Museen und in den Vereinen sowie an alle touristischen Leitungsträger aus Gastronomie, Direktvermarktung und Beherbergung, die einen maßgeblichen Beitrag dazu leisten, das touristische Angebot attraktiv zu gestalten.

In einem kurzen Grußwort betonte auch Ortsbürgermeister Jörg Scherer, dass die Verbandsgemeinde Jockgrim touristisch viel zu bieten hätte. Leider würde zu wenig darüber geredet. Alleine die drei schönen Museen Haus Leben am Strom, Terra Sigillata Museum und Ziegeleimuseum seien schon ein Besuch in der Verbandsgemeinde wert.

Beatrice Lerch machte in ihrem Vortrag zuerst auf die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus aufmerksam. Laut einer Studie des dwif betragen die Ausgaben von Übernachtungstouristen bei gewerblichen Betrieben mit mehr als 8 Betten durchschnittlich 105,- Euro für Unterkunft, Verpflegung, Freizeitmöglichkeiten, lokaler Transport etc. In den Privatquartieren ermittelte das dwif durchschnittliche Ausgaben in Höhe von 60,10 €. Tagestouristen würden im Durchschnitt 28,80 € ausgeben. Als nächstes ging Lerch auf die Tourismusstrategie 2015 ein, die im Jahr 2008 verabschiedet wurde. Das Land Rheinland-Pfalz habe sich dafür entschieden, sich auf die vier Hauptthemen wandern, radfahren, Wein und Gesundheit zu konzentrieren, wobei das Thema Kultur das Fundament das touristischen Angebots darstellt. Die Gastgeber spielten die entscheidende Rolle, so Beatrice Lerch. Ohne sie  fände der Tourismus nicht statt, denn bei ihnen würde der Umsatz erzielt. Arbeits- und Ausbildungsplätze würden geschaffen und gesichert. Letztendlich entschieden die Gastgeber mit ihrem Angebot über Erfolg oder Misserfolg einer Reise bzw. eines Ausflugs. Lerch sieht die Rolle der Kommune vor allem in der Sicherung der Basisinfrastruktur (z.B. Rad- und Wanderwege), in der Sensibilisierung der Leistungsträger für Marketingthemen, in der Gästeinformation und -betreuung und der Sicherstellung des Marketings in Kooperation mit dem regionalen Marketing. Voraussetzung dafür sei eine realistische Einschätzung der touristischen Chancen.

Das von Dr. Britta Stolberg-Schloemer vorgestellte Projekt „Aktion fit für die Zukunft“ wurde Ende 2009 ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Unternehmen im Gastgewerbe für die Tourismusstrategie 2015 zu sensibilisieren und eine konkrete Hilfestellung zu bieten, die Betriebe auf die oben genannten Themen auszurichten. Das Qualifizierungsangebot beispielsweise in den Bereichen Angebotsentwicklung, Management und Führung, Marketing und Vertrieb oder Finanzierung und Förderung wird auf die Anforderungen der Betriebe individuell zugeschnitten. Durch Stollberg-Schloemer erfolgen zunächst die Bedarfsermittlung und die Erstellung des Maßnahmenplans. Sie koordiniert auch die Workshops und Einzelbetriebsberatungen. Darüber hinaus betreut sie die Betriebe bei der innerbetrieblichen Umsetzung der neu erworbenen Erkenntnisse. Die Schulungen führen entsprechende Fachleute in den jeweiligen Betrieben durch. Insgesamt stehen jedem Betrieb zwölf Stunden Beratung zu. Nach den bisherigen Erfahrungen von Stolberg-Schloemer wird das Projekt von den Teilnehmern positiv bewertet. Einige Plätze sind noch frei. Die Mitgliedschaft im dehoga ist dafür nicht verpflichtend.

Maria Goetzke betonte in ihrem Vortrag, dass viele Verbraucher mittlerweile ihre Lebensweise auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ausrichten. Die Kunden seien anspruchsvoller als früher. Sie wünschten aber nicht unbedingt Bioprodukte. Laut einer Studie der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) seien regionale Produkte interessanter für die Verbraucher. In der Wahrnehmung der Verbraucher seien regionale Produkte vor allen Dingen Landwirtschaftsprodukte wie Obst, Gemüse, Geflügel, Eier, Fleisch, Wurstwaren und Milchprodukte. Sie könnten durchaus 5 % - 15 % teurer sein. Goetzke stellte fest, dass die Direktvermarktung Kundennähe böte statt anonymer Produktionsstruktur. Die Nähe zur Produktion schaffe Vertrauen beim Konsumenten und gleichzeitig eine Erlebniswelt beim Einkaufen. Allerdings seien auch hier die Absatzpotentiale begrenzt. Für den Erfolg der Betriebe nannte Maria Goetzke sechs Punkte: Qualität, Freundlichkeit, Kundenorientierung, Kreativität + Individualität, Erlebnis und Professionalität. Eine individuelle Beratung für die Ausgestaltung der Hofläden wird von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz angeboten.

Bürgermeister Uwe Schwind überreichte den Referentinnen je einen Korb prall gefüllt mit regionalen Produkten aus der Verbandsgemeinde Jockgrim. Der Körbe wurden geflochten von Karl Heid. Parallel zur Veranstaltung wurde von der Verbandsgemeinde eine kleine Ausstellung touristischer Leistungsträger organisiert. Das Terra Sigillata Museum stellte in Zusammenarbeit mit Schnorr Keramik sogar römische Exponate aus dem Museum aus. Im Anschluss an die Veranstaltung hatten die Gäste die Gelegenheit bei einem Glas Wein des Weinhauses Hartman zum Erfahrungsaustausch. Weitere Aussteller waren der Südpfalz Tourismus Landkreis Germersheim, der Fahrradverleih Pfalz, Pfalz Aktiv Tours, Genussradeln Pfalz, die Naturführer Südpfalz, die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und DIDmedia System.